II. 4. Das Wasserelement
Was bezeichnet man als das Wasserelement? .
letzte Änderungen am 19. März 2016
Dieser Vortrag behandelt eines der klassischen Elemente, die in den meisten alten Hochkulturen verehrt wurden. Über zwei dieser Elemente habe ich in den letzten Abschnitten schon geschrieben, nämlich über das Erdelement und über das     Luftelement. Unter dem Erdelement versteht man alles Feste, Solide, relativ Statische, also zum Beispiel Berge, Knochen, Teller oder Autos. Unter dem Luftelement wird alles das verstanden, was sehr beweglich, sehr leicht flüchtig ist, eben wie die Luft und andere Gase oder wie unser Atem.

Das Wasserelement befindet sich zwischen diesen beiden. Es ist nicht so statisch wie das feste Erdelement, aber auch nicht so flüchtig und beweglich, wie das Luftelement.

Flüssiges Wasser ist in Bewegung, allerdings bewegt es sich nicht in beliebige Richtung, es unterliegt vielmehr der Schwerkraft, fließt also nach unten. Damit ist die Wasserenergie beweglicher als die Erdenergie, beim Wasserelement sind die Dinge in Fluss geraten. Dadurch wird die Prozesshaftigkeit deutlicher als beim Erdelement. Natürlich vergehen auch Berge, Knochen, Teller und Autos, allerdings sehen wir diesen Veränderungsprozess nicht so oft und so kontinuierlich wie beim fließenden Wasser. Daher ist Wasser gewissermaßen zum Symbol für Veränderlichkeit geworden, was in Heraklits berühmtem Satz "Alles fließt!" zum Ausdruck kommt, alles ist prozesshaft. Auch unser deutsches Wort Wasser hieß im altdeutschen noch wazzar, was "das Fließende" heißt und aus dem indogermanischen "wodr" abgeleitet ist, ein Wort das man leicht noch in vielen Sprachen erkennt, sei es im englischen water oder im russischen voda.

Im Buddhismus steht diese durch Wasser symbolisierte Prozesshaftigkeit für eines der drei wichtigsten Wesensmerkmale, für anicca, Vergänglichkeit. Der spirituelle Entwicklungsprozess des Menschen wird im Buddhismus ab einem bestimmten Punkt als "Stromeintritt" bezeichnet, wenn wir so weit fortgeschritten sind, wenn wir uns bis dahin entwickelt haben, so trägt uns gewissermaßen der Strom, das strömende Wasserelement, automatisch weiter in Richtung Erwachen, in Richtung Nirwana.

Allerdings kommt dem Wasser im Buddhismus nicht eine per se reinigende Kraft zu, wie zum Beispiel im Christentum, wo das Wasser im Taufritus den Menschen von der Erbsünde reinigen soll oder im Hinduismus, wo ein Bad im Ganges von negativem Karma reinigen soll.

Von solcher rituellen Bedeutung hielt der Buddha wenig, wie in folgender Geschichte deutlich wird, in der ein Haushälter, also ein Nicht-Mönch, zum Buddha kam und sich nach der reinigenden Wirkung eines Bades im Ganges erkundigte:

"Sagt an, Herr Gotama, die Brahmanen sagen, gut sei es, segensreich sei es, sich im Flusse Ganges zu baden. Gute Wiedergeburt, bessere Wiedergeburt verspräche es, sich im Flusse Ganges zu baden. Was nun sagt Ihr, Herr Gotama, ist es gut im Flusse Ganges zu baden, verspricht es gute Wiedergeburt, im Flusse Ganges zu baden, sich im Flusse Ganges zu reinigen?"

"Ausgezeichnet ist es, Haushälter, sich zu baden, ausgezeichnet ist es, sich zu reinigen. Das Baden in sauberem Wasser ist gut, um den Körper zu reinigen. Aber auch der Geist muss gereinigt werden, auch der Geist muss gebadet werden. Den Geist aber reinigt man, den Geist badet man nicht mit Wasser, sondern mit der reinigenden Wirkung tiefer Meditation und mit der säubernden Wirkung ethischen Verhaltens. Darum eben, Haushälter, solltet ihr täglich euren Körper mit Wasser reinigen und eben darum solltet ihr täglich euren Geist mit guten Taten und Meditation reinigen."

"Danke, Herr Gotama, danke! Trefflich sind diese Worte. Wohl verstehe ich, dass es gut ist, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist zu reinigen. Aber, um noch einmal auf die Sache mit dem Ganges zurückzukommen, wäre es dann nicht am besten, sich täglich mit Wasser zu waschen, seinen Geist täglich mit guten Taten und Meditation zu reinigen und zusätzlich einmal im Jahr im Ganges zu baden, wie es die Brahmanen empfehlen?"

Der Buddha sah, dass der Haushälter wohl bereit war, die reinigende Wirkung ethischen Verhaltens und von Meditation zu akzeptieren, dass er aber unterschwellig noch immer dem Irrglauben anhing, ein rituelles Bad im schmutzigen Ganges könne seine Zukunft beeinflussen. Dieser Mann unterlag der Fessel des Hängens an überkommenen Regeln und Riten um ihrer selbst willen. Daher beschloss der Buddha deutlicher zu werden.

"Haushälter, warum fragt ihr gerade mich?"

"Nun, Herr Gotama, man sagt, Ihr seid ein Erleuchteter, man sagt, Ihr seid ein Vollkommener, einer der Nirwana erreicht hat, der mit dem höchsten Wissen gesegnet ist."

"Haushälter, das habt ihr über mich gehört, aha. Habt ihr gleiches schon einmal von einem Fisch gehört?"

"Natürlich nicht, Herr Gotama!"

"Ah, seht Ihr Haushälter! Ich habe mein ganzes Leben lang kein rituelles Bad im Ganges genommen. Die Fische aber baden jeden Tag ihres Lebens im Ganges. Wenn das Baden im Ganges irgendeinen Effekt hätte, dann wären sämtliche Fische schon längst erleuchtet!"

Nachdenklich ging der Haushälter von dannen.



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