Das Raumelement
eine Meditation von "Meditation am Obermarkt", Gelnhausen,
aus dem Projekt ErDa - erdverbundene Dankbarkeit


© by Horst Gunkel, Gelnhausen, Verlinkung erwünscht  letztmals geändert am 5. April 2016
Sei dir deiner Sitzhaltung gewahr – die Füße berühren den Boden, sind verbunden mit dem Boden – du sitzt fest und sicher mit deinem Gesäß auf, gut geerdet – der Rücken gerade aufgerichtet – der Kopf ruht majestätisch auf dem Hals – alle Muskeln entspannt – die Arme fallen dir locker aus den Schultern, die Hände liegen auf.

Sei dir im Hintergrund immer deiner Sitzhaltung Gewahr, während dieser ganzen Meditation – jetzt richte deine Achtsamkeit auf deinen Atem – einatmen und ausatmen – nehmen und abgeben – Luft aufnehmen und wieder loslassen – sei dir während dieser ganzen Meditation immer deines Atems bewusst – beim Einatmen dem Atem zulächeln, beim Ausatmen die Luft wieder gehen lassen.

Durch das Einatmen vergrößert sich deine Lunge, vergrößert sich dein Körper – durch das Ausatmen schrumpft er wieder ein wenig – dein Körpervolumen, dein Körperraum verändert sich durch den Atem - der griechische Philosoph Aristoteles bezeichnet das Raumelement als Äther oder auch als Quintessenz, also als fünfte Essenz, als fünftes Element, das alle anderen Elemente enthält – der Äther, die Quintessenz, enthält das Luftelement, das Wasserelement, das Erdelement und das Hitzeelement – dieses fünfte Elemente, diese Quintessenz, enthält alle anderen Elemente, dein  Körperraum umfasst alle diese Elemente

Die indische Philosophie nennt dieses fünfte Element akasa, Raumlelement – der Buddhismus bezeichnet das fünfte Element als akasa-dhatu, als durch Körperlichkeit umgrenzter Raum

Betrachte immer weiter deinen Atem beim Ein- und beim Ausatmen – betrachte, wie sich dein akasa-dhatu, der Raum deiner Körperlichkeit, mit dem Atem ändert – du gibst dir mehr Raum - du bist raumgreifend – sich etwas einräumen – etwas in den Raum stellen – sich Raum verschaffen – wir räumen uns ziemlich viel ein – wo ist unsere Grenze?  – wo ist unser Körper begrenzt? – wie fühlst du dich, wenn du allein in einem Café sitzt, viele Tische sind frei und ein Fremder setzt sich zu dir an den Tisch? – fühlst du dich in deiner Intimsphäre verletzt? – du  bist in der leeren U-Bahn und einer kommt und setzt sich genau auf den Platz neben dir, ohne dich zu berühren – wie fühlt sich das an? – dein Territorium ist verletzt worden – dein akasa-dhatu scheint offensichtlich größer zu sein als dein Körper – du empfindest wie der Hund, der angerannt kommt und dich verbellt, wenn du an seinem Hoftor vorbei gehst

Wir haben uns Raum angeeignet, der größer ist als unser Körper – niemand Fremdes darf einfach in unser Auto – deine Handtasche erscheint dir ebenso als Intimraum wie dein Körper – unsere Wohnung, unverletzlich – my home is my castle

Frühgeschichte der Menschheit: erst war da nur ein Loch im Berg – dann war das unsere Höhle, die Höhle unseres Clans – sie musste verteidigt werden gegen einen anderen Clan – gegen Bären – Revierkämpfe bei Tieren – Revierkämpfe bei Menschen – Volk ohne Raum – die Borussenfront zieht den Bayern die Lederhosen aus

Frühgeschichte der Menschheit – aus Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern – durch Aneignung des Bodens – der Raum, der niemandem gehörte, wurde annektiert – Privateigentum – Staatenbildung – Armeen zur Verteidigung des angeeigneten Raumes – oder zur Eroberung

Ein neuer Kontinent wird entdeckt – raumgreifend die Siedler – Land wird annektiert, wird eingezäunt – die früheren Nutzer, die Büffel, werden abgeknallt – und die Indianer

Das Raumelement – Gegenstand von Verteilungskämpfen – wem gehört die Krim? – wem Tibet? – dürfen nach Europa nur Europäer oder auch Flüchtlinge aus Afrika?
Wir beanspruchen den akasa-dhatu, den durch Körperlichkeit begrenzten Raum – wo aber endet der Körper? – Haben auch Konzerne einen Körper? - Klar, sie zahlen schließlich Körperschaftssteuer – wir sprechen auch von Gebietskörperschaften  – von Körperschaften des öffentlichen Rechts

Unser Besitz scheint unser erweiterter Körper zu sein – wir lassen andere genau so wenig über unser Bankguthaben verfügen wie über unseren Körper – gehört alles mir!

Alles Unsinn, alles Verbelndung – dir gehört gar nix – Grund und Boden gehören der Natur, der Erde – alles, was du dir angeeignet hast, gehört der Erde – sie hat es dir nur geborgt – bis du es zurückgibst – Geborgtes muss man pfleglich behandeln, um es in mindestens gleich gutem Zustand zurück zu geben – alles, was du für deinen Besitz hältst, besitzt du nur vorübergehend, Eigner bist du nicht, Eigner ist die Natur, ist die Erde, ist dieser Planet, von dem du es nur geborgt hast

Das Luftelement in deinem Körper nur geborgt – für Sekunden oder Minuten, dann gibst du es wieder zurück – kannst es nicht behalten – es gehört dem Planeten Erde – das Wasserelement in dir, nur geborgt für Stunden, vielleicht für Tage – dann gibst du es der Natur, der Erde zurück – Wasser kannst du auch nicht behalten – das Erdelement in dir, alles Feste, was du mit deiner Nahrung aufgenommen hast, nur geborgt – du gibst es nach Stunden zurück, manches erst nach Monaten, besten falls nach sechs, sieben Jahren – nichts gehört dir dauerhaft – auch das Hitzeelement in dir, nur geborgt, von der Sonne – Sonnenkraft, gespeichert in Korn, Getreide, Gemüse, verbrannt in deinen Muskeln, flüchtige Wärme – du bist ein Prozess, der sich dauernd erneuert, ein Prozess den du „Ich“ nennst, der aber nur aus Nicht-Ich-Elementen besteht – wirklich? ein Prozess der sich dauernd erneuert? – nein nicht dauernd, nur eine gewisse Zeitlang, einige Jahrzehnte – dann wird alles Luftelement, alles Wasserelement, alles Erdelement, alles Hitzeelement wieder zurück sein im ewigen Kreislauf dieses Planeten – und die Quintessenz? – dein akasa-dhatu, dein durch Körperlichkeit begrenzter Raum? – ebenso verschwunden – Teil des Planeten – dieses herrlichen Planeten Erde, der auch nur Teil eines größeren Prozesses ist und der sich dereinst auflösen wird – in den ajatakasa, den Weltraum -- Aristoteles hat den Raum Quintessenz genannt, er verwendete das griechische Wort Äther – dieses griechsiche Wort Äther heißt wörtlich übersetzt "blauer Himmel" – das wohin sich alles auflöst – der Buddhismus spricht von sunyata – von Leerheit.

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